The workshop will take place on 27 May 2022, 3:00 – 6:30 pm CEST via Zoom. This is an online event in German language with free attendance.
Organisers: Eva Horn and Stephanie Langer (University of Vienna) | Vienna Anthropocene Network
Raoul Schrott greift auf die Gattung des Epos zurück, wenn er in Erste Erde. Epos (2016) die Geschichte der Erde und des Lebens erzählt. In Philipp Weiß‘ Romanzyklus Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen (2018) trifft enzyklopädisches Erzählen auf Manga und Collage. Gegenstand ist auch hier nichts weniger als die Weltgeschichte. Christian Enzensbergers Nicht eins und doch (2013) wiederum erzählt in Reprisen und Schleifen von der geologischen Geschichte Münchens.
Gemeinsam ist all diesen Texten, dass sie sich einer Literatur des Anthropozäns zuordnen lassen. Sie verhandeln Narrative des Anthropozäns, gehen darüber aber hinaus, indem sie die Implikationen des neuen Epochenbegriffs in ihre Form aufnehmen. Das Anthropozän ist so nicht einfach ein „Thema“ von Literatur, sondern eine Herausforderung an ihre Form. Mit dem Anthropozän aktualisiert sich eine formtheoretische Diskussion, die in den letzten Dekaden eher in den Hintergrund getreten ist. In den Fokus rücken verstärkt Fragen nach dem Verhältnis von Teil und Ganzem, nach Homogenität und Heterogenität, nach einer ‚planetarischen‘ Perspektive, der Rolle von organizistischer Metaphorik, nach Interdependenz, Verstrickung und Vernetzung, nach Skalen, Brüchen und dem Fragmentarischen in den Texten.
Der geplante Workshop, der sich aus je zwei Vorträgen und anschließender Diskussion zusammensetzt, möchte einen methodisch grundlegenden Blick auf die Herausforderung, die das Anthropozän an die Form stellt, werfen. Brauchen wir einen „New Formalism“? Gleichzeitig geht es uns darum, die formtheoretische Tradition neu zu beleuchten und danach zu fragen, wo sich Anschlussmöglichkeiten für eine gegenwärtige Literaturwissenschaft finden – und wo vielleicht auch nicht.
We ask for registrations via e-mail to: florian.ronc(at)univie.ac.at
Veranstaltung im Rahmen des FWF-Projekts „Landschaft, Leben, Form. Eine Poetik des Anthropozäns“